Im Himmel über Berlin
Eine von Corocord Raumnetz geschaffene Netzlandschaft ist das Herzstück des Stadtkunstprojekts »Kunst + Architektur in Alt Köpenick« (KAiAK). Auf mehreren Ebenen bietet das »erkletterbare Netz« die Möglichkeit, den Raum zwischen zwei Gebäuden in allen Dimensionen zu erkunden. Entworfen wurde diese Stadtskulptur aus Seilen von NL Architects aus Amsterdam. Die Seilkonstruktion gleicht einer in der Horizontalen gespiegelten Hängebrücke. Als Tragstruktur dient eine Konstruktion aus Stahlseilen, stählernen Rahmen und vier Pylonen. Auf diesem flexiblen Skelett basiert die eigentliche Kletterlandschaft mit ihren verschiedenen horizontalen und vertikalen Ebenen. Umschlossen wird die Netzlandschaft schließlich von einem Kokon aus Edelstahlnetzen.
Alle Teile des Stadtkunstprojekts müssen temporär ausgeführt werden. Das gilt auch für das Raumnetz. Die Struktur ist daher statisch so geplant, dass sie unabhängig von den an sie angrenzenden Gebäuden bleibt. Optisch schließen die beiden äußeren Rahmen der Anlage zwar an die beiden Brandwände an. Tatsächlich bleibt jedoch jeweils eine rund 30–40 cm breite Lücke zwischen Wand und Rahmen. Für die Stabilität der über 30 m langen und an den Seiten bis zu 10 m hohen Konstruktion sorgt statt einer Verankerung am Gebäude die Kombination zweier statischer Prinzipien, mit denen das Netz Anleihen beim Brückenbau macht: Eine Reihe quadratischer Rahmen mit unterschiedlicher Kantenlänge werden von den vier Eckseilen der Tragkonstruktion zu einem flexiblen Kastenprofil verbunden, das nach dem Spannen der Tragseile die Torsion des konkaven Kastenprofils verhindert. Die gesamten horizontalen Kräfte und der größte Teil der vertikalen Kräfte dieser Tragstruktur werden von vier Pylonen in den Boden abgetragen. Diese Pfeiler weisen von den oberen Ecken der Außenrahmen ins Innere des Netzes, auch die untere Ebene der Tragstruktur ist mit ihnen verspannt.
Die Netze sind aus sechslitzigen Seilen geknüpft. Jede einzelne Litze besteht aus einer Stahlseele, auf die Polyamidgarne aufgeknüpft werden. Dieser Mantel wird durch Induktion auf das Metall aufgeschmolzen und geht so eine besonders innige Verbindung mit der Stahlseele ein. Die Kletternetze werden damit besonders widerstandsfähig.